Universitätsstadt Bayreuth

Ein historischer Stadtrundgang, zusammengestellt von Gert Rückel und Thomas Viewegh

 

1. Das Mittelalterliche Bayreuth

Alles begann mit diesem Schriftstück

 

Hier fängt sie an, die Geschichte Bayreuths. Man schrieb das Jahr 1194, da weilte Bischof Otto II. von Bamberg mit großem Gefolge am Roten Main. In dieser Urkunde bezeichnet er den Ort oberhalb einer Biegung des Flusses erstmals mit dem Namen Baierrute. Das soll bedeuten: Rodung der Bayern.

 

Der Ursprung der Siedlung verliert sich im Dunkel des Hochmittelalters. Heute gelten die Grafen von Andechs als die ursprünglichen Gründer Bayreuths. Zeugnis dieser Zeit: das Stadtwappen mit den beiden gekreuzten Reuten, den Werkzeugen, die beim Roden, beim Abholzen des Waldes verwendet wurden.

 

Die kraftvolle gotische Basilika

Stadtkirche wird sie genannt und sie liegt im Herzen Bayreuths. Ihre hohen Türme sind mir Schiefer gedeckt. Sie sind Wahrzeichen der Stadt. Die Turmbrücke aus Stein diente dem Türmer bei seiner Arbeit. Denn der Türmer war auch Feuerwächter. Von hier aus hat man den besten Blick auf die Spuren, die das Mittelalter in Bayreuth hinterlassen hat. Die verwinkelten Gassen erinnern auch heute noch an diese schwere Zeit. Im Verlauf der Gassen und Straßen ist das einstige Stadtbild noch ganz gut zu erkennen: die Kanzleistraße, die Sophienstraße, die Kirchgasse, die Kämmereigasse. Mehrere große Stadtbrände haben die Bausubstanz dezimiert. Der Einfall der Hussiten im Jahre 1430 hinterläßt eine Spur der Verwüstung.

 

Wohl das älteste Wohnhaus Bayreuths ist das heutige Braunbierhaus. Wie auch das Nachbarhaus ein ehemaliges Burggut. Wo einst die Herren von Nankenreuth residierten, wird heute süffiger Gerstensaft ausgeschenkt. Die adeligen Besitzer hatten die Häuser zu Lehen, gleichzeitig waren sie von allen städtischen Abgaben befreit: deshalb nannte man diese Gebäude "Freihäuser". Ob die Besitzer als Gegenleistung verpflichtet waren, die Stadt zu schützen, kann nicht nachgewiesen werden.

 

Der mittelalterliche Straßenmarkt.

1_Stra__enmarkt

Er bildet auch heute noch das eigentliche Stadtzentrum. Etwa dort, wo sich heute der zentrale Omnibusbahnhof befindet, stand im Mittelalter das Rathaus mitten im Markt, mit offenen Verkaufsstellen für Fleisch und Brot, daneben ein kleines Bräuhaus und der Pranger. Den regelmäßigen Wochenmarkt kannte man an dieser Stelle noch bis in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts. Stattliche Bürgerhäuser umsäumen den großen, weiträumigen Platz. Ihre mittelalterlichen Grundrisse sind nahezu unverändert. Die heutige Maximilianstraße, benannt nach dem bayerischen König Max Joseph, ist als "Fußgängerzone" zwar vom privaten Autoverkehr befreit, doch Stadtbusse, Lieferanten und Radfahrer sorgen dafür, daß die Fußgänger auf dem Markt stets wachsam bleiben!

 

Die "Maxstraße", wie der Markt in Bayreuth genannt wird, ist die Einkaufsstraße. Hier trifft sich Jung und Alt! Daneben ist der Marktplatz ein beliebtes Forum für Festlichkeiten und Märkte. So findet hier und in den angrenzenden Gassen jedes Jahr Anfang Juli das traditionelle Bayreuther Bürgerfest statt. Lichtmeß-, Blumen-, Martini- und Christkindlesmarkt ergänzen das festliche Programm.

 

Die mittelalterliche Stadtbefestigung

Nur wenige, fast versteckte Überreste zeugen heute noch davon. Im 14. Jahrhundert war es wohl, als die Stadtmauer auf den Rändern des Bayreuther Bergsporns errichtet wurde. Nach dem Hussiteneinfall mußten die Bayreuther ihre Stadtbefestigung erneuern.

 

Doch bereits 300 Jahre später, unter Markgraf Georg Wilhelm, verlor die Wehrmauer ihren Sinn. Sie wurde an die Anlieger verkauft, die darauf ihre Häuser erbauten. Bayreuth wuchs über seine Mauern hinaus. Es wuchs und gedieh. Ein Zeichen von Veränderung.

 

Eine offene, neue Zeit hatte begonnen.

 

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