Afrikastudien

 

Forschungseinrichtungen und -kompetenzen:

Erfolgreich in der Exzellenzinitiative:

Der regionale Forschungsschwerpunkt zu Afrika wurde bereits bei der Gründung der Universität Bayreuth 1975 eingerichtet. Heute umfasst er unter der Bezeichnung „Afrikastudien“ die Gesamtheit der afrikabezogenen Forschungs- und Ausbildungsaktivitäten von Bayreuther Wissenschaftler/innen aus vierzig verschiedenen Fächern, von den Kultur- und Sprachwissenschaften über die Wirtschafts- und Rechtswissenschaften bis zu den Geo- und Biowissenschaften. Innerhalb dieses Fächerspektrums, das in seiner Breite und Vielfalt an einer Universität einzigartig ist, wurde von Anfang an konsequent die interdisziplinäre Kooperation gefördert. Durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern unterschiedlicher Fachrichtungen in derselben Region und mit gemeinsamen Fragestellungen werden hohe Synergieeffekte erzielt, die zu gemeinsamen Forschungsgruppen, Bachelor- und Master-Studiengängen und Graduiertenprogrammen geführt haben und einen hohen Anteil an afrikanischen Akademikern/innen aufweisen. Dem Afrikaschwerpunkt steht in der Bayreuther Universitätsbibliothek der deutschlandweit zweitgrößte Buch- und Medienbestand zu Afrika mit derzeit 155.000 Bänden und Medien zur Verfügung, der eine wichtige Grundlage für die international anerkannte Bayreuther Afrika-Expertise bildet.
Das seit 1990 bestehende Institut für Afrikastudien (IAS) koordiniert die Lehre und Forschung und entwickelt weiterführende Perspektiven für den Afrikaschwerpunkt. Mehrere wissenschaftliche Einrichtungen (Iwalewa-Haus, BIGSAS, DEVA) gehören zum Institut für Afrikastudien. Das Afrikazentrum Iwalewa-Haus widmet sich seit 1981 der Gegenwartskultur in Afrika und bildet als Stätte von Forschung und Dokumentation sowie für internationale Künstlerbegegnungen und Ausstellungen eine Brücke zur Öffentlichkeit. Dem IAS als Kooperationspartner verbunden ist das Zentrum für Entwicklung und Naturrisiken Bayreuth (ZENEB). Es verknüpft seit 2001 die natur- und kulturwissenschaftliche Risiko- und Katastrophenforschung in Entwicklungsländern mit afrikabezogenen Fragestellungen. Das IAS finanziert ein Einladungsprogramm für afrikanische Gastwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen. Es informiert in einem regelmäßig erscheinenden Newsletter über laufende Projekte des Afrikabereichs und gibt drei wissenschaftliche Publikationsreihen heraus, darunter zwei online-Reihen.
Von 2000 bis 2007 bestand am Afrika-Schwerpunkt der fakultätsübergreifende Sonderforschungsbereich (mit Forschungskolleg) „Lokales Handeln in Afrika im Kontext globaler Einflüsse“. Im Mittelpunkt seiner Regionalforschung stand das lokale Handeln in seiner Interaktion mit globalen Einflüssen. Drei 2006 und 2007 gestartete Forschungsprojekte, die im Rahmen der Förderinitiative der Volkswagen-Stiftung „Knowledge for Tomorrow“ finanziert werden, widmen sich der Zunahme paranormaler und okkulter Phänomene in Westafrika, den Scharia-Debatten und ihrer Wahrnehmung durch Christen und Muslime in ausgewählten afrikanischen Staaten sowie lokalen Strategien des Konfliktmanagements in Guinea-Bissau.
Im Herbst 2007 wurden unter der Federführung des Instituts für Afrikastudien drei neue Strukturen geschaffen, die für den Bayreuther Afrikaschwerpunkt einen wichtigen Entwicklungsschritt bedeuten:

  • die Bayreuther Internationale Graduiertenschule für Afrikastudien (BIGSAS);
  • das umfassende digitale Archivierungs- und Informationssystem DEVA;
  • die neue internationale Sommer-Akademie „Religion and Order in Africa“.

Mit der Bayreuther Internationalen Graduiertenschule für Afrikastudien (BIGSAS), die im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder finanziert wird, wird in Deutschland ein innovatives, professionell geführtes Doktoranden-Zentrum im Bereich der interdiziplinären Afrikastudien etabliert. Es bietet herausragenden afrikanischen und nicht-afrikanischen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern eine klar strukturierte und individuelle Ausbildung mit verstärkten Anwendungs-Elementen. Der Aufbau eines partnerschaftlichen BIGSAS-Netzwerks mit fünf afrikanischen Universitäten verfolgt das Ziel, an diesen Einrichtungen Strukturen einer exzellenten Doktorandenausbildung zu schaffen und damit dem Prozess des „brain drain“ entgegen zu wirken.
Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Digitalisierung, elektronische Edition und Verfügbarmachung von Daten der Afrikawissenschaften (DEVA) startete Ende 2007 mit dem Ziel, die zahlreichen Forschungsergebnisse der Bayreuther Afrikastudien zu erfassen und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neben den Sammlungen des Iwalewa-Hauses gehören dazu die umfangreichen Daten, die im SFB/FK 560 wie auch im vorangegangenen SFB 214 „Identität in Afrika“ (1984-1997) und dem Graduiertenkolleg „Interkulturelle Beziehungen in Afrika“ (1990-1999) gesammelt wurden, sowie die Forschungsnachlässe der emeritierten Gründergeneration des Bayreuther Afrikaschwerpunkts.
In der internationalen Sommer-Akademie „Religion and Order in Africa“ durchlaufen jährlich zehn afrikanische Stipendiaten ein intensives vierwöchiges interdisziplinäres Kursprogramm. Die vom Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) mehrjährig angelegte Förderinitiative bietet eine ideale Ergänzung zum BIGSAS-Programm.
Der Bayreuther Afrikaschwerpunkt steht in engen Beziehungen zu 31 afrikanischen Universitäten in 24 Ländern, zum Teil auf der Basis fester Verträge. Von diesem wissenschaftlichen Austausch profitieren beide Seiten. Die Hochschullehrer des Bayreuther Afrikaschwerpunktes tragen zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Afrika bei, indem sie afrikanische Doktoranden und Habilitanden betreuen, afrikanische Gastdozenten einladen und selbst an afrikanischen Universitäten lehren. Sie unterstützen zudem afrikanische Forschungszentren und universitäre Ausbildungsgänge in Afrika.
Das Institut für Afrikastudien ist als Impulsgeber in deutsche und europäische Netzwerke von Afrika-Instituten eingebunden. Im AEGIS-Netzwerk, der Afro-European Group of International Studies, kooperieren neunzehn renommierte Afrika-Intitute aus zwölf europäischen Ländern. Ziel dieser Kooperation ist es, gemeinsame Forschungsprojekte anzuregen und den Wissenstransfer zwischen Europa und Afrika zu stärken.